Am 5. November haben sich die EU-Mitgliedstaaten auf ein neues EU-Klimaziel für 2040 geeinigt: Die Netto-Treibhausgasemissionen sollen bis 2040 um 90 % gegenüber 1990 reduziert werden. Das Europäische Parlament bestätigte den Vorschlag. Wesentlich für die energieintensive Industrie wird es sein, das Klimaziel mit dem Erhalt der freien ETS I Zertifikate zu verknüpfen.
Papierindustrie versorgt 100.000 Haushalte
Die österreichische Papierindustrie nimmt ihre Verantwortung in den Bereichen Energie und Klima sehr ernst und bekennt sich klar zu den Klimazielen der österreichischen Bundesregierung sowie der Europäischen Union. Vor diesem Hintergrund hat die Branche eine Dekarbonisierungsstrategie („Road to Net Zero“) erarbeitet, mit dem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Voraussetzung dafür sind jedoch verlässliche regulatorische und technische Rahmenbedingungen.
Als Teil der Bioökonomie leistet die Papierindustrie bereits heute Pionierarbeit. Schon jetzt kann der Energiebedarf von mehr als 100.000 Haushalten mit Strom und Fernwärme aus der Papierindustrie gedeckt werden. Diese dezentrale Energieversorgung ist besonders energieeffizient, reduziert CO₂-Emissionen und stärkt zugleich den Industriestandort. Insbesondere bei der Nutzung industrieller Abwärme bestehen noch erhebliche ungenutzte Potenziale. Je mehr Anbieter in dieses System eingebunden sind desto besser können Angebotsschwankungen ausgeglichen werden. Durch ein angepasstes Energiemanagement tragen die Betriebe zudem zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und leisten systemdienliches Verhalten.
Faire Wettbewerbsbedingungen bei Energiekosten
Klimaschutzmaßnahmen müssen wirksam, aber auch fair ausgestaltet sein und den globalen Wettbewerbsdruck berücksichtigen. Sowohl im Vergleich mit Drittstaaten als auch im innereuropäischen Wettbewerb braucht die österreichische Industrie faire Rahmenbedingungen – insbesondere bei den Energiekosten. Die Papierindustrie ist mit einer Exportrate von rund 90 % in hohem Maße internationalem Wettbewerb ausgesetzt. Steigende Energiepreise verschärfen diesen Druck zusätzlich.
Zur Vermeidung von „Carbon Leakage“ hat die Europäische Kommission den EU-Mitgliedstaaten bereits 2012 die Möglichkeit eingeräumt, indirekte CO₂-Kosten zu kompensieren. Dieses Instrument wurde in Österreich 2022 einmalig umgesetzt. Für die Jahre 2025 und 2026 wurde im Oktober 2025 das Standortabsicherungsgesetz mit einer Mittelaufbringung von jeweils 75 Mio. Euro beschlossen. Die Papierindustrie begrüßt diese Entlastung ausdrücklich. Gleichzeitig ist eine höhere Dotierung erforderlich, um die internationale und europäische Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen sicherzustellen und langfristige Planungssicherheit zu gewährleisten.
Die von der Bundesregierung geplante Verlängerung der Maßnahme bis 2029 sowie die Einführung eines Industriestrompreises ab 2027 setzen wichtige und richtige Signale. Entscheidend ist jedoch die Kumulierung beider Instrumente, da nur so eine wirksame Entlastung energieintensiver Betriebe erreicht werden kann.
Ein Blick nach Deutschland verdeutlicht den Handlungsbedarf: Als größter Wettbewerber österreichischer Industriestandorte hat Deutschland seine Strompreiskompensation bereits bis 2030 budgetiert und bei der Europäischen Kommission notifiziert. Zusätzlich wurde dort ein Industriestrompreis ab 2026 mit einem im Vergleich zu Österreich deutlich höheren Finanzvolumen beschlossen. Dies erhöht den Druck auf österreichische Unternehmen erheblich.
Papierindustrie investiert in Klimaschutz
Die Papierindustrie bekennt sich nicht nur zu den Klimazielen, sondern leistet auch einen aktiven Beitrag zur CO₂-Reduktion. Bereits heute ist es gelungen, die CO₂-Emissionen vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln und die fossilen CO₂-Emissionen seit dem Jahr 2000 um rund 20 % zu senken. Für die kommenden Jahre haben mehrere Standorte weitere Investitionen in Dekarbonisierungsmaßnahmen angekündigt – etwa in innovative, nachhaltige Produkte und in eine klimafreundliche Energieversorgung.
Für die Branche gilt es, die Chancen der Dekarbonisierung konsequent zu nutzen. Voraussetzung dafür ist eine gezielte finanzielle Unterstützung CO₂-armer Technologien, insbesondere dort, wo sie mit den geringsten Kosten den größten Klimanutzen erzielen. Die Papierindustrie ist bereit für den nächsten großen Schritt: die Substitution fossiler Rohstoffe durch erneuerbare, nachwachsende und biogene Alternativen.
Darüber hinaus nimmt die Papierindustrie eine Schlüsselrolle im Bereich der Negativemissionen ein. Das biogene CO₂, das in Papierfabriken ausgeschieden wird, bietet ein erhebliches Potenzial für den Klimaschutz.
Das Neueste zum Thema
Am 15. Oktober wurde das „Standortabsicherungsgesetz“ (SAG) im Nationalrat beschlossen. Es sieht für die Jahre 2025 und 2026 eine Kompensation der indirekten CO₂-Kosten im Strompreis vor und orientiert sich an vergleichbaren Regelungen anderer EU-Mitgliedstaaten, die diese Maßnahme allerdings bereits bis 2030 verlängert haben.
Mit dem EU-Klimagesetz hat sich die Europäische Union dazu verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden und die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % gegenüber 1990 zu senken. Im Juli veröffentlichte die Europäische Kommission ihr 2040-Klimaziel: Demnach sollen die Emissionen um 90 % reduziert werden. Dieses ambitionierte Ziel erfordert den Einsatz verschiedener Technologien. Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS) sowie Carbon Removals gelten dabei als vielversprechende Ansätze, um Emissionen nachhaltig zu reduzieren.
Am 28. Mai 2025 nahm unsere Senior Expertin Sherin Gharib am Forum „The Energy Bridge“ teil, das in Kooperation mit der TU Wien organisiert wurde. Die Veranstaltung widmete sich den aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen der Energiewende in Mittel- und Osteuropa – mit einem besonderen Fokus auf regulatorische Rahmenbedingungen, Marktintegration, Energiesicherheit und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI).